Wie viel Kirche braucht der Staat?

Veröffentlicht am 23.06.2010 in MdB und MdL

Diskussion in Sankt Maria in Göppingen

VERENA HERWIG, Geislinger Zeitung

Göppingen. Bei einer Veranstaltung im Göppinger Gemeindezentrum Sankt Maria ging es um die Frage: "Wie viel Kirche braucht der Staat?"

Wie steht es in Deutschland um die Verbindung von Religion und Politik? Was wünschen wir uns für die Zukunft? Diesen und anderen Fragen ging eine öffentliche Gesprächsrunde der SPD in Göppingen nach. Zu Gast waren unter anderem der SPD-Landtagsabgeordnete Peter Hofelich, der kirchenpolitische Sprecher der SPD-Landtagsfraktion Ingo Rust sowie der evangelische Dekan Rolf Ulmer. Themen wie die Kirchensteuer, das Kruzifix im Klassenzimmer, das Kopftuchverbot an Schulen, die Rolle der Kirchen im Sozialbereich, der Bildungs- und Betreuungsbereich und der Denkmalschutz bilden Berührungspunkte, die sowohl die Politik als auch die Kirchen beschäftigen.

Zu Beginn der Fachgesprächsrunde meinte Peter Hofelich zu den etwa 45 Zuhörern, dass die Frage ,Wie viel Kirche braucht der Staat? ein Thema sei, "das in Göppingen auf fruchtbaren Boden fällt".

"Der Staat ist nicht Kirche, und die Kirche ist nicht Staat", betonte der Dekan. Das sei zwar eine banale Aussage; dennoch bediene sich der Staat religiöser Züge, wie Fahnenappelle oder Massenaufläufe zeigten, und brauche auch christliche Werte wie die zehn Gebote. Weiter sagte Ulmer, die Kirche sei Partner und kritisches Gegenüber des Staates. "Zwischen Kirche und Staat herrscht eine enge und bewährte Zusammenarbeit, die aber nicht zu Abhängigkeit führen darf."

Auch Ingo Rust ist der Meinung, dass es in Deutschland ein "fein abgestimmtes Verhältnis zwischen Staat und Kirche" gibt - ohne Kirchenstaat und Staatskirchen. Es gebe "Staatsleistungen im zweistelligen Millionenbereich an die Kirchen". Der Staat agiere zudem als Auftraggeber. Rust erläuterte ebenfalls die Berührungspunkte von Kirche und Staat, wie beispielsweise die vielen denkmalgeschützten Gebäude, die Kircheneigentum sind, die Seelsorge in Krankenhäusern und Gefängnissen oder die Ladenöffnungszeiten, bei denen sich die Kirchen speziell zum umstrittenen verkaufsoffenen Sonntag immer wieder zu Wort melden. "Auch für Kirchen sind gewisse Schranken gestellt, sie müssen sich an Recht und Gesetz halten", fügte Rust hinzu.

In der allgemeinen Diskussion ging es um den Unterschied zwischen Religion und Kirche, die Werteorientierung und Schere zwischen Armen und Reichen.

 
 

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